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Uraufgeführt am 5. November 2006 auf dem JazzFest Berlin '06 im Babylon Berlin:Mitte

Das Stephan-Max Wirth Ensemble präsentiert sich mit einem einmaligen Projekt. Die eigens für dieses Konzept entstandene Musik wird durch TänzerInnen des Kieler Balletts und eine zusätzliche filmische Ebene auf der Bühne visualisiert.

Mit herzlichem Dank an:


 

„DADA Republic!“

Ein Bühnenprojekt mit Jazz, Tanz und Film


Stephan-Max Wirth -

Tenorsaxophon / Komposition

Bene Aperdannier - Fender Rhodes

Jaap Berends - Gitarre

Bub Boelens - Bass

Marcel van Cleef - Schlagzeug

Mario Schröder - Choreographie
Anne-Marie Warburton - Tanz
Tina Slabon - Tanz
Ayumi Sagawa - Tanz
Stefan Späti - Tanz

Michael Carstens -
Film, live video mix

Die Drehbuch-Textvorlage von Paul van Ostaijen

Der flämische Dichter Paul von Ostaijen (1896 – 1928) lebte von 1918 bis 1921 in Berlin. Hier stand er unter dem Einfluss von November-Revolution, Spartakus-Aufstand und dessen Niederschlagung. Zur gleichen Zeit schloss er sich dem Kreis der Dadaisten an. Er entdeckte für sich die Jazzmusik und den Stummfilm und verfasste eine erste Textgrundlage des Szenarios „De-Bankroet-Jazz“ (dtsch. „Der Pleitejazz“), in der sich seine Berliner Erfahrungen niederschlagen. Die endgültige Version dieses Drehbuchs wurde erst posthum im Jahre 1954 auf Niederländisch veröffentlicht und ist das einzig bekannte Film-Exposé der Berliner Dada-Gruppe. Der Literaturwissenschaftler Hansjürgen Bulkowski schreibt in seinem Nachwort zur ersten deutschen Textausgabe von 1996: „Er (Ostaijen) fängt die Großstadt-Atmosphäre jener Zeit kurz nach dem Krieg, in der Schiebereien und Pleiten florierten und die angestaute Lebensgier explodierte, in furiosen – und prophetischen – Bildern ein: Es gibt dort Koffer, Kisten, Lastwagen voller – wertloser – Wertpapiere wie während der großen Inflation, die erst 1923 ihren Höhepunkt erreichte.“ Neben diesen politischen Geschehnissen werden vor allem der Jazz und ausladende Tanzpassagen in Szene gesetzt. Die Einführung von Schlagzeug, Banjo und Saxophon in jener Zeit führte zu einer explosiven klanglichen und rhythmischen Mischung. Insbesondere der Einsatz des Saxophons kann als revolutionäre instrumentale Entwicklung gesehen werden. Darius Milhaud spricht in diesem Zusammenhang sogar von der „Auferstehung des Saxophons“.

Die künstlerische Umsetzung

Dieses Projekt arbeitet im Kontext des DADA’s der 1920er Jahre, indem es auf einer aktuellen Ebene den Jazzgedanken auf weitere Kunstformen überträgt. Interaktion und Improvisation finden zwischen akustischen und visuellen Bereichen - durch Musik, Bewegung und bewegte Bilder - statt. Das hierfür notwendige „Improvisationsvokabular“ von Film, Tanz und musikalischer Idee ist konkret oder assoziativ dem Drehbuch entnommen. Die zunächst auskomponierten musikalischen Grundgedanken des Jazz-Saxophonisten Stephan-Max Wirth dienen dem gesamten Ensemble als Improvisationsgrundlage für die Bühnenpräsentation.

Neben dem musikalischen Part von Wirths deutsch-flämischem Jazzensemble wird eine tänzerische Ebene durch ausgewählte Mitglieder des Kieler Balletts unter der Leitung ihres Ballettdirektors und Chefchoreographen Mario Schröder entfaltet. Diese einmalige improvisatorische Fusion visualisiert der Film- und Videokünstler Michael Carstens während der Aufführung mittels collagierten Live-Projektionen. Dabei steht der Synergieeffekt der Genres Jazzmusik, Ballett und Film im Mittelpunkt. Vorher auskomponierte, choreographierte und verfilmte Themen aus Ostaijens Drehbuch dienen als Inspirationsquelle zur weiteren interaktiven Improvisation aller beteiligten Künstler über den Originaltext.

Die filmische Ebene generiert Michael Carstens durch Videomaterial aus collagierten und animierten Bildern. Mit Hilfe von Livecameras an Instrumenten und Tänzern wird eine weitere Bildquelle erzeugt. Erzählung und Schnitt improvisiert der Videokünstler während der Aufführung. Das Set der Bühne ist so gleichsam Teil der Videoprojektion und bildet den Raum für das Szenario. Tänzer und Musiker werden somit zu Protagonisten des Live-Films sowie der vorfabrizierten Szenen. Der Begriff der Improvisation erfährt durch diese Verfahrensweise auch eine Umsetzung auf der filmischen Ebene.

Die Arbeit des Kieler Chefchoreographen Mario Schröder zeichnet sich seit Jahren durch sein unablässiges Erkunden neuer Grenzbereiche im zeitgenössischen Ballett aus. Seine Compagnie - das Kieler Ballett - ist überregional dafür bekannt, dass es keine Tabus kennt. Mario Schröder will mit diesem Jazzprojekt eine bereits lang bestehende Idee der Improvisation umsetzen. Für den Choreographen bedeutet dies eine neuartige Auseinandersetzung mit den Komponenten Musik und Bühne bzw. projizierten Bühnenraum. Im Vordergrund steht für ihn die Idee einer zeitgenössischen Tanztheatralik, die Athletik und Emotion gleichberechtigt miteinander verbindet und zeitgleich auf die Außeneindrücke von Musik und Film eingeht.

Der Titel „DADA Republic!“ leitet sich (im Übrigen) von den Berliner Dadaisten ab, die in der damaligen Zeit einen Teil dieser Stadt zur unabhängigen DADA- Republik erklärten. In diesem Bezirk wirkten sie durch Verteilung von Handzetteln und Manifesten, die Publikation von Büchern und Periodika, Kabarett- und Theater-Performances, Ausstellungen und öffentliche Aufrufe, alle gezeichnet durch ihre Zufälligkeit in Ausdruck und Art sowie ihrem improvisatorischen Charakter.

Das Projekt wird neben seiner Uraufführung auf dem JazzFest Berlin ’06 am 5. November auch in den Niederlanden und Polen realisiert.
Die DVD/CD “DADA Republic! Live at JazzFest Berlin” wurde für die Bestenliste beim “Preis der deutschen Schallplattenkritik” nominiert.

Dada Republic on Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=QJIDchvAJL8
http://www.youtube.com/watch?v=1Huj0j-RXcE

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© 2012 Stephan-Max Wirth. Alle Rechte vorbehalten, siehe Impressum. All rights reserved, see imprint.